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GEMALTE EMPFINDUNGEN IN GOLD
von Sigrid Blomen-Rademacher (RHEINISCHE POST Donnerstag 30. November 2006)
„In die Gemälde von Ioana Luca fließen ganz unterschiedliche, mitunter im Widerspruch liegende Quellen ein. 1977 in Rumänien geboren, studierte sie am National Lyzeum, bevor sie eine Lehre als Ikonenmalerin begann und gleichzeitig ein Studium der Orthodoxen-Theologie und Malerei in Iasi aufnahm. 2003 unternahm sie eine Studienreise nach Deutschland. Seitdem lebt und arbeitet sie in Düsseldorf. Vergangenheit und Gegenwart – dies prägt die Bilder von Luca. So malt sie das haus des Großvaters unter einem Regen von goldfarbenen Splittern wie Fetzen der Erinnerung. Das Gold taucht in zahlreichen aktuellen Bildern auf. Als Symbol für das Göttliche, für Wärme und Geborgenheit verweist es ebenso auf die Rumänische Kultur und verbindet dies mit der neuen Wahlheimat. So drückt Luca beispielsweise in ihren Landschaftsbildern eine melancholische Stimmung aus, die durch Gold eine neue Ausrichtung erfährt.“
DIE
REISE VON DER RELIGIÖSEN ZUR SPIRITUELLEN KUNST
von Detlev
Foth, Maler, Düsseldorf
Ioana
Luca hat nach der Beendigung ihres Theologiestudiums in Iasi, Rumänien,
zwei Reisen unternommen. Eine spontane, reale Reise nach Deutschland und
eine innere Reise der Neu-und Selbstfindung. Die erste entfernt sie von
ihrer Heimat und ihren Wurzeln, und die zweite soll es ihr möglich
machen, sich selbst wieder stärker anzunähern.
Sie entscheidet sich für Düsseldorf und dies unter Verzicht
auf eine alternative, dritte Reise: Paris. Eine nur zufällig erscheinende
Entscheidung: denn betrachtet man heute die Vielzahl der in ihrem Düsseldorfer
Atelier entstandenen Arbeiten und denkt man an Ioana Lucas Suche nach
Stil und Spiritualität, so wäre Paris, die versunkene Metropole
des Impressionismus, wahrscheinlich eine zu nostalgische, literarisch
besetzte und von Klischees verwaschene Legende, keine Stadt für ihren
künstlerischen Neuanfang.
Deutschland
hingegen mit seinem spröden, grüblerischen Nihilismus, aber
auch mit seinem sehr lebendigen Kunstbetrieb, schien mehr kreativen Freiraum
zu versprechen.
Radikaler konnten die Gegensätze nicht sein: aus der konservativen
Gesellschaft Rumäniens stammend, einer Gesellschaft, die tief in
der Religiön und der Volkskunst verwurzelt ist und gleichzeitig in
ihrer Entwicklung der Moderne vom Kommunismus eingeengt war( große
Maler wie Corneliu Baba sind uns erst jetzt vertrauter ), nach Deutschland
zu kommen . Deutschland, das den Expressionismus hervorgebracht hat, ein
Land, das durch den Nationalsozialismus eine Beleidigung und Demütigung
und Demontage großartiger bildnerischer Leistungen erfuhr und das
sich heute in einem stilistischen Pluralismus präsentiert: von der
brutalen Konsequenz der Raumplastik eines Norbert Kricke bis zu den bildnerischen
Inszenierungen politischer Aussagen eines Jörg Immendorff oder den
picassoresken Arbeiten eines Markus Lüpertz.
Das Ende von Ioana Lucas Studium forderte von ihr eine Vertiefung ihrer
Kreativität und ihrer Spiritualität vermittels einer ungewohnten
Entfernung von ihr in nicht nur stilistischer, sondern auch geographischer
Fremde. Aus der Entfernung sieht sie die eigenen künstlerischen,
persönlichen und intellektuellen Wurzeln verschärft. Die Entfernung
ermöglicht ihr, eine schärfere, konsequentere gesellschaftliche
sowie psychologische Analyse der immer gleichen Frage: woher komme ich?
wer bin ich? wohin gehe ich? Eine philosophische, eine psychoanalytische
und natürlich eine religiöse Hinterfragung. Ihre Arbeiten werfen
diese Fragen erneut auf- alleine durch ihr geradezu puristisches Sein
in der Welt. Sie wirken still, solitär, dunkel. Hier und da scheint
Gold als Bildfragment hervor, wie das Gold aus einer alten und anderen
Zeit. Sie zeugen von der Unmöglichkeit, aber auch dem Unwillen, die
Welt zu erklären-, so manifestieren sie sich in ihrem Selbst, in
ihrem Sein in der Welt.
Ihre Arbeiten sind eher materialisierte Stille als laute Botschaften.
Sie erzählen mal von statischen Situationen, mal von Geschwindigkeiten
und Überwindungen. Die Materialien sind Holz, Gaze, Wachs, Strick,
Leinen, Blätter aus dem Wald, Fundstücke, Öl, Tempera,
Tinte – und eben Gold.
2002, nachdem Ioana Luca sich jahrelang intensiv mit traditioneller Ikonenmalerei
auseinander gesetzt hatte, entstanden im Düsseldorfer Atelier in
rascher Folge etliche großformatige Ölarbeiten- farbintensiv,
seltsam durchscheinend, voller Licht, von hohem Abstrahierungsvermögen
zeugend.
Nach unzähligen Papierarbeiten, Collagen, Einfärbungen, Übermalungen
und Überzeichnungen, gelangt sie zu einer Neuinterpretation ihrer
alten inhaltlichen Schwerpunkte in anderen bildnerischen Sprachfindungen.
Auch die Rückkehr zu den ihr vertrauten Materialien: Holz, Wachs,
Gold. In der Natur sammelt sie Blätter, manchmal Steine, die im Atelier
in der Verarbeitung ebenfalls Zustandsreisen erfahren- oder mit einem
anderen Wort: Metamorphosen.
Ioana Luca unterwirft sich insbesondere deswegen keinem stilistischen
Diktat, da sie es gut kennt und eine Auseinandersetzung nur in der Überwindung
finden kann. Die Befreiung von stilistischen Dogmen entspricht einfach
ihrem klaren Denken, ihrer Gradlinigkeit und ihrer Neugier.
So wie ihr Leben aus dem Statischen in den Fluß der Reise gekommen
ist, so ist ihre Kunst ein Unterwegssein, eine permanente Annäherung
an Unbekanntes.
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